Großdemonstration in Kassel am 20.03.2021

Als ich von der Demo aus Kassel zurückkam und die Berichte im Fernsehen sah, bin ich schier vom Stuhl gefallen. – „Das stimmt doch alles nicht!“

Ich war immerhin 4 Stunden dort und in dieser Zeit war ich an vielen verschiedenen Stellen!
Aber die Bilder im Fernsehen sprachen eine andere Sprache!

Aufgeheizte Stimmung, Gewalt, Radikalität und Spinnertum.

Wie kann das denn sein? Meine persönlichen Erlebnisse waren komplett anders. Eigentlich hatte ich auf der Rückfahrt den Blog schon im Kopf verfasst. Aber ich warf alles wieder über den Haufen und beschloss so etwas wie eine Gegendarstellung zu schreiben.

Dabei habe ich die kolportierten Gerüchte fettgedruckt, um mich damit einzeln zu befassen. Dennoch bin ich wie immer um Neutralität bemüht.

War das eine Querdenker Demo“ ?

Veranstalter waren die „Freien Bürger Kassel.
Der Protest richtete sich gegen die Coronamaßnahmen und den Verfall der demokratischen Strukturen und hatte den Titel:

„Frühlingserwachen – Die Welt steht auf!“

Und das kann man wörtlich nehmen:
In über 53 Ländern gab es zeitgleich Demonstrationen gegen den Verfall von Grundrechten im Zusammenhang von Corona – Maßnahmen.
Namentlich in

Schottland, England, Nord Irland, Dänemark, Niederlande, Norwegen, Finnland, Schweden Österreich, Schweiz, Luxemburg, Serbien, Tschechische Republik, Slowenien, Ungarn, Montenegro, Italien(9 Städte), Spanien, Portugal, Island, Litauen, Estland, Lettland, Ukraine, Belgien, Frankreich, Polen, Bulgarien, Griechenland, Rumänien, Kroatien, Zypern, Kanarische Inseln, Libanon, Israel Peru, Brasilien, Argentinien, Trinidad Tobago, Uruguay , Australien (9 Städte) Neuseeland, Philippinen, Japan, Südafrika, USA (16 Städte), Mexiko, Puerto Rico, Kanada (19 Städte), Jamaika, Südkorea und Deutschland.

War die Veranstaltung verboten?

Die Demo war schon einen Monat vorher auf dem Königsplatz (grün) für 17.500 Menschen angemeldet. Doch die Stadt untersagte sie 3 Tage vorher. Die Veranstalter stellten einen Eilantrag vor Gericht mit dem Ergebnis, dass 2 Tage vorher doch eine Genehmigung erteilt wurde. Allerdings mit geändertem Veranstaltungsort: Karlaswiese (gelb).
Kassel erhob Einspruch und die Veranstaltung wurde abgesagt. Am Ende setzt sich dann doch der Veranstalter vor Gericht durch und bekamen auf der Schwanenwiese eine Genehmigung für 5.000 Menschen. Allerdings mit Verbot des angekündigten Umzuges.

Zeitpunkt: 30 Minuten vor Veranstaltungsbeginn.
Unnötig zu erwähnen, dass sich zu diesem Zeitpunkt schon 20.000 Demonstranten auf dem Weg nach Kassel befanden.

So erklärt sich auch der weitere Verlauf der Veranstaltung. Die Schwanenwiese war schnell voll und die Versammlung fand friedlich und planmäßig unter Einhaltung der vorgegebenen Hygienemaßnahmen statt. Die restlichen 15.000 Menschen bahnten sich den Weg durch die Stadt und versammelten sich spontan auf dem Platz vor der Staatsgalerie. Ein wenig süffisant kommentierte ein anwesender Rechtsanwalt, dass spontane Versammlung durch das Grundgesetz legitimiert sind, und damit sei das alles rechtens.

Um was ging es eigentlich?

Auf der genehmigten Demonstration auf der Schwanenwiese sprachen u.a. Rechtsanwalt Rainer Füllmich und Rechtsanwältin Viviane Fischer, die den Corona Ausschuss mit gegründet haben. Dieser hatte es sich zur Aufgabe gemacht die Ereignisse der Corona Pandemie mittels Fachleuten unabhängig zu beleuchten und zu hinterfragen. Unter anderem mündete dies auch in einer Klage gegen Dr.Christian Drosten. Im Wesentlichen wird hier die Aussagekraft des PCR Tests angegriffen. Ebenso wird der Politik eine ungesunde Nähe und Verflechtung zur Pharmaindustrie vorgeworfen.

Ein Hauptkritikpunkt ist das Schwinden der demokratischen Strukturen, das Regieren per Verordnung, ein komplettes Fehlen der Rechtsgüterabwägung:

  • Masken schützen zwar vor Infektionen, der Sauerstoffmangel bzw. die CO2 Rückatmung wirkt sich aber gravierend auf die Funktionalität verschiedenster Organe unseres Körpers aus.
  • Indirekter Impfzwang durch soziale und wirtschaftliche Ausgrenzung ungeimpfter Personen.

Auch wird der etablierten Presse fehlende Distanz der Regierung und den Maßnahmen gegenüber vorgeworfen.

Die Instrumentalisierung von Angst war auch ein zentrales Thema.

Frieden, Freiheit - Keine Diktatur !

Was für Leute gehen auf diese Demos?

Luigi, der Mann mit der blonden Perücke, hat einen Imbissstand und weigert sich beharrlich eine Maske zu tragen. Er bedient seine Kunden ja quasi unter freiem Himmel, hat Abstand, Desinfektionsmittel und trägt Handschuhe bei der Arbeit. „Wie soll meine Kundschaft da krank werden? Als Solo – Selbstständiger sind das 12 Stunden Maske tragen oder noch mehr pro Tag – das geht ganz schön auf die Lunge und ist unter diesen Umständen wirkungslos.“ Ständig hat er deswegen Ärger mit dem Amt. „Und diskutieren wollen die nicht. Deshalb bin ich hier. Es ist alles so unlogisch!“

Veronika möchte nicht abgebildet werden. Sie arbeitete in der Gastronomie und kann Ihren Traumberuf schon über einem Jahr nicht mehr ausüben.
Obwohl ihr Betrieb ein sehr gutes Hygienekonzept etabliert hatte und dieses schon 3 Kontrollen mit guten Ergebnissen hinter sich gebracht hatte, musste sie schließen. Und das, ohne einen einzigen festgestellten Mangel im Konzept.
„Das ist doch entweder Dummheit oder Absicht der Regierung. Beides ist aber schlecht!

Auch Ärzte-und Lehrergruppierungen sind heute unterwegs und prangern Ungerechtigkeiten an:

16.00 Uhr. Der Umzug ist vorbei und die Menschen vespern auf Decken. „Was bewegt Euch denn als Familie auf diese Demo zu gehen?“ will ich wissen. Frau K. erzählt mir gerne Ihre Geschichte: „Meine Tochter hat eine schwere Krankheit und deshalb hat mein Ihr Arzt ein Maskenattest mit diagnostischer Begründung ausgestellt. Dennoch wird das von der Schule nicht anerkannt und der Sachverhalt verharmlost. In welcher Zeit leben wir denn, dass ärztliche Atteste unbesehen in Zweifel gezogen werden. Wie kann denn ein Rektor so etwas beurteilen? Das sind doch keine Mediziner!“

Die Stimmung:

So alt bin ich leider noch nicht, aber so müssen sich wahrscheinlich die Hippies in Woodstock gefühlt haben! Die Menschen waren entspannt und

friedlich –  aber auch entschlossen – an der Politik dieses Landes etwas zu ändern. Es wurde getanzt, gesungen und natürlich demonstriert.

War die Situation außer Kontrolle?

Nach etwa einer Stunde löste die Polizei die Versammlung auf, mit der Begründung das keine Genehmigung dafür bestand.

Die Menge folgte der Anweisung der Polizei und verließ widerstandslos vom Platz.

Allerdings zerstreute sich die Menge nicht, vielmehr spazierte man in einem großen Bogen um die Innenstadt. Ein Polizeiwagen führte den Zug an. Und sperrte auch die querenden Straßen ab. Die Teilnehmer respektierten diese Sperren auch. Das Katz- und Maus- Spiel wie eine Woche zuvor in Stuttgart (vorheriger Artikel) blieb damit aus. Wohl auch deshalb machte die Polizei einen vorbereiteten und ruhigen Eindruck.

Wurden die Abstände eingehalten?

So oder so ähnlich sieht man es im Fernsehen oder der Tageszeitung. Pfff. Ganz schön eng! Oder doch nicht?!

Gleicher Umzug, andere Perspektive:

Es entsteht urplötzlich ein ganz anderer Eindruck in Bezug auf das Verantwortungsbewusstsein der Teilnehmer. Gerade eben sind Sie einem fotografischen Trick aus dem 2. Ausbildungsjahr für Fotografen aufgesessen. Für den Großteil der Bevölkerung sind solche optischen Tricks kaum wahrnehmbar.

Gerade wurde die Räumung des Platzes angeordnet. Die Demonstranten halten respektvollen Abstand.

Nicht überall wurden die Mindestabstände auf der Demonstration eingehalten.
Auch in einer Krise darf man kreativ in der Wahl der Mittel sein – Da könnten sich einige ein Beispiel daran nehmen.

Was sagen die Kassler?

Die Stimmung war gelöst, die meisten Bewohner winkten fröhlich aus den Fenstern oder filmten den Umzug. Andere taten Ihrem Unmut über die maskenlosen Umzug kund.

Am Straßenrand traf ich Susanne, Marie und Herbert (Namen geändert) mit FFP2 Masken vorm Gesicht. Ganz offensichtlich gehörten Sie nicht zu den Teilnehmern. Wir kamen ins Gespräch.

Susanne erzählte mir von Ihrer Oma, die an Corona gestorben sei und dass Sie selber auch schwer erkrankte und noch mit den Folgen kämpft.Marie meinte, Sie komme sich diskriminiert vor, weil Sie von den Demonstranten blöd angeschaut wird. Manche fragten auch warum Sie denn unter freiem Himmel eine Maske trage. „Jeder solle doch so rumlaufen können, wie er will, aber ich möchte nicht angegangen werden, weil ich mich für eine Maske entschieden habe“

Diese Argumentation hatte ich schon oft gehört. Doch meistens kommen sich Maskengegner im Alltag ausgegrenzt, belächelt und diskriminiert vor. 

Als hätte jemand meine Gedanken gelesen, kam ein Demonstranten Päarchen mit lustigen Hütchen zu unserem Gespräch dazu. Interessiert fragte Herbert nach der Verkleidung und dem tieferen Sinn dahinter. Der Hutmensch hieß Alex und erklärte, dass er der Politik und der Impfkampagne nicht traue.

Nach Austausch kleinerer Plänkeleien ging die Diskussion doch ganz zivilisiert weiter und man trank dann doch noch Bier – mit Abstand.

Wir landen also immer wieder an dem Punkt, dass jeder nach ähnlichen Grundbedürfnissen strebt, wie Akzeptant, Selbstbestimmtheit und Sicherheit. So weit sind die Lager also dann wohl doch nicht voneinander entfernt. Diese 5 unterschiedlichen Menschen haben trotzallem eine Gesprächsgrundlage gefunden. Das gibt mir die Hoffnung, das unsere Gesellschaft Ihre Spaltung eines Tages wieder überwindet und zueinander finden kann. Toi toi toi.

Ein Gedanke zu „Großdemonstration in Kassel am 20.03.2021

  • 1. April 2021 um 17:10
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    Danke für die stimmige Zusammenfassung. Schöne Bilder.

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