Brandenburger Tor, Berlin 5.3.2021

Unser Grundrecht und Selbstbestimmung. „Es reicht! -Wann, wenn nicht jetzt? „

Das klingt jetzt vielleicht platt, wenn ich sage: Jede Demo ist anders.

Aber das trifft es wohl am besten.

Während zeitgleich in Stuttgart 15.000 Menschen versammelt waren, fanden sich am Brandenburger Tor gerade mal 500 -700 Demonstranten ein.

Von Anfang an war der Veranstalter sichtlich bemüht Abstände und Maskenpflicht zu gewährleisten und die Teilnehmer hielten sich – für den einen oder anderen Beobachter überraschend – nahezu lückelos daran. Als sich ein spontaner Umzug vom Versammlungsort lösen wollte, pfiff der Veranstalter die Demonstranten zurück. Mit soviel Disziplin hatte ich ehrlich gesagt nicht gerechnet. Auch die Polizisten vor Ort attestierten in diesem Punkt eine gute Kooperation (Stand Redaktionsschluss).

Thorsten Schulte, auch bekannt als der „Silberjunge“, stellte gleich zu Beginn der Veranstaltung klar, dass er sich nicht ins rechte Spektrum verorten lassen möchte. Als Beleg nannte er einige Team Mitglieder mit Migrationshintergrund und lud auch andere Glaubensrichtungen herzlich ein, sich an den Protesten und Reden zu beteiligen.

Das klang schon sehr sympatisch. Der nächste Redner war Hauptkommisar a.D. Michael Fritsch, der vor allem um gegenseitiges Verständnis warb.

Eva Rosen war die nächste Rednerin. Die auf den ersten Blick charmante Blondine blieb nicht lange charmant. Nach einer Distanzierung nach rechts ging sie gleich zum politischen Angriff gegen die Regierung über. Es hagelte Kritik in Richtung des in Sichtweite befindlichen Bundestags: Autoritäre Verhängung von Maßnahmen, Aushöhlung der Demokratie und unverhältnissmäßige Polizeieinsätze waren Ihre Themen.

Als dann der parteilose (und frühere AfD Abgeordnete) Andreas Fiechtner ans Mikrofon ging, wurde der Tonfall noch lauter, aggressiver und die Aussagen zunehmend radikaler.

Es ging auch um Corona – ja, aber die Gründe für die Kritik an der Regierung wirkten vorgeschoben, mehr wohl um die Maßnahmengegner mitzunehmen, weniger aus Überzeugung um der Sache willen. Entlarvend war aus meiner Sicht die scharfe Rhetorik und aggresive Sprache, die im diametralen Kontrast zu den „Frieden, Freiheit, Demokratie“ Parolen stand. Die Rhetorik des Parteilosen vor dem Brandenburger Tor erinnerte an den Vorabend der französichen Revolution, die auch explizit als Beispiel bemüht wurde. Immer wieder kamen mir Leute entgegen, die kopfschüttelnd Ihrer Wege gingen. Wer sich mal gefragt hat, warum Maßnahmengegner gerne in einen Topf mit Radikalen geworfen werden, konnte heute und hier die Antwort darauf finden. Ich möchte noch anmerken, das die Vorgeschichten der einzelnen Redner teilweise kontrovers diskutiert werden. Das ist aber hier und heute nicht mein Thema und würde auch den Rahmen dieser Reportage sprengen.

Doch wie immer ist mein Ziel das große Ganze in all seinen Facetten darzustellen, und ich möchte explizit darauf hinweisen, dass es durchaus unterschiedliche Motivationen für diese Demo heute gab.
Welche Motivationen den Einzelnen an diesem windig – kalten Apriltag auf die Straße trieb, seht Ihr hier:

Presse und Meinungsfreiheit

Politikverdrossenheit / Demokratie in Gefahr ?!

Maskenpflicht

Sinnhaftigkeiten

Gegendemonstranten

Ich gehe weiter und treffe Nikole. Eine stille, freundlich auftretende Gegendemonstrantin. Sie und Ihre Familie hatten Corona und sind heute noch nicht wieder voll auf dem Damm. Nikole sucht aktiv das Gespräch mit den Maßnahmengegnern. Doch nicht um einfach nur dagegenzuwettern, sie bringt durchaus viel Verständnis mit für alle, die sich ungerecht behandelt fühlen und Ihrem Ärger Luft machen wollen. „Doch dazu muss man nicht unbedingt demonstrieren (und andere gefährden) gehen!“ So eine Aussage passt natürlich nicht gut auf ausgerechnet diese Demo, wo sich nun wirklich die Allermeisten redlich bemühen, sich an die Verordnungen zu halten. Aber das denk ich mir mal nur und lasse sie weiter ausführen: „Ich habe hier ausgedruckte Listen bei mir, wie unsere Verwaltungsstrukturen aufgebaut sind und Kontaktadressen um Kritik zu addressieren oder auch um Hilfe zu bekommen. Wow. Das ist wirklich mehr als nur Gegner der Gegner zu sein. Allein schon wegen dieser Frau hat sich der Weg hierher gelohnt. Irgendwie sollten wir mehr von solchen Menschen auf der Welt haben.

Vielleicht ist das in dieser Zeit ein gutes Rezept: Auch wenn mein Gegenüber anderer Meinung ist, soll es mich nicht daran hindern freundlich zu sein und Hilfe anzubieten.

Und dann fällt vielleicht das Diskutieren auch wieder leichter.

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