„Was machen die Massnahmen mit unseren Kindern?“ – Protestaktion vom 25.4.2021:

Bei strahlend blauem Himmel schlender ich am Böblinger See entlang, das Ufer ist gesäumt von Menschen jeglichen Alters, junge Paare flanieren Hand in Hand, am Ufer gibt es Kaffee und Kuchen zu Gitarrenklängen. Die Unbeschwertheit eines schönen Frühlingstages liegt in der Luft.. doch halt… da war doch was….Ach ja

Wir haben eine Pandemie. Darf man denn dann sowas? Fragend schau ich in die Runde und lass mein Blick schweifen.

„Derf ma Sie auf a Tässle Kaffee einloden? – s`Koscht au nix!“ spricht mich eine nette Frau an. Einen Kuchen gäbe es auch dazu. – Gerne setze ich mich und stell meine Fragen, während ich ein dickes Stück Schokokuchen auf den Teller bekomme. Das alles sei eine angemeldete Protestaktion gegen die Corona Maßnahmen: Die Mindestabstände würden beim Sitzen ja eingehalten und die umherschwirrenden Ordner tragen alle eine Maske. Na gut. Aber was kritisieren denn die Querdenker?

„Wir sind keine Querdenker, sondern Nachdenker!“, werde ich belehrt. Und ein Kritikpunkt an den Maßnahmen folgt auch prompt: „Im ARD kam ein Bericht über einen Aerosolforscher, der sagt, an der frischen Luft kann man sich fast nicht anstecken. Warum dürfen die Gastronomen denn dann nicht im Freien bewirten?“ Dazu fällt mir nicht viel ein. Dennoch halte ich dagegen und setze an mit: „aber die hohen Zahlen…“ Da ist Tanja – meine kuchenbackende Gastgeberin – anderer Meinung: „Jede Statistik kann man beeinflussen, um das mal vorsichtig zu sagen. Aber eins ist doch klar: Menschen stecken andere Menschen an. Zahlen haben noch nie jemanden angesteckt. Wenn ich also niemanden an der frischen Luft anstecken kann, dann ist es doch egal wie hoch die Zahlen sind“. Die logische Kette scheint mir stringent und wenig quergedacht. Ich verabschiede mich und schau mich nach weiteren Interviewpartnern um.

Doch daraus wird leider nix, der Veranstalter möchte jetzt eine Rede halten. Sabina S. hat diese Veranstaltung als Privatperson angemeldet und sieht sich angesichts der politischen Lage genötigt ersteinmal zu sagen, was Sie NICHT ist: “ Ich bin nicht rechtsradikal, kein Querdenker und auch kein Coronaleugner.“ – Ein Satz der aus gesellschaftspolitischer Sicht Bände spricht und symptomatisch für diese Zeit ist, finde ich. Sabina führt aus, dass Sie therapeutisch tätig ist und im Zuge dessen auch sieht, wie immer mehr Kinder in einen sehr schlechten psychischen Zustand geraten: Durch die Panikmache der Politik werden Angstneurosen gezüchtet, Werte und Normen ins konträre verdreht. Kinder suchen intuitiv Nähe, suchen Anschluss zu anderen, wollen Freunde umarmen, lachen und singen. All das wird Ihnen genommen und durch Distanz und Angst ersetzt. Was ist das für eine Genereation, die aufwächst ohne je gelernt zu haben, den Gesichtsausdruck des maskierten Gegenübers zu lesen?

Sabrina bezieht sich dabei auch auf eine Studie vom 02.03.2021: Die Donau-Universität Krems hat in Kooperation mit der Medizinischen Universität Wien sowie mit Unterstützung des österreichischen Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung die psychische Gesundheit von rund 3000 SchülerInnen untersucht. Dabei zeigte sich ein deutlicher Anstieg psychischer Symptome: 55 Prozent leiden unter einer depressiven Symptomatik, die Hälfte unter Ängsten, ein Viertel unter Schlafstörung und 16 Prozent haben suizidale Gedanken. Sie schließt mit: „Heute ist es nur ein Kind aus der Zeitung, morgen eines aus der Nachbarschaft, und übermorgen…“

Stille – da muss auch ich erstmal schlucken – dann Applaus, auch von den vielen Passanten, die neugierig zugehört hatten.

Um das sacken zu lassen mache ich gedankenversunken und wortlos noch ein paar Fotos von diesem ungewönlichen Geschehen:

Nach meiner langen Gedankenpause ist mir beim Fotografieren dann noch ein anderer Gedanke durch den Kopf gegangen:

Wenn man sich im Freien nicht anstecken kann – vor allem wenn man die Abstände einhält – und es ok ist, dass wir Kaffee und Kuchen essen, was spricht dann dagegen, die Außengastronomie wieder zu öffnen und alle weiteren Aktivitäten außer Haus wieder zu gestatten?

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