Stimmen für die Kinder

Protestaktion am Böblinger See 13.6.2021

Ein warmer Sommertag, blauer Himmel, 26 Grad im Schatten. Dazu ein kühles Bier, Essen und natürlich Fussball. Die Testpflicht für die Außengastronomie ist gefallen, die Stimmung bei Gästen und Wirten ist gut. Was wollen denn da die Demonstranten hier mit Ihren blöden Megafon durchsagen? „Was ist auf den Teststäbchen?“ Steht auf einem Plakat. Ein Passant meint dazu: Jetzt kommt bestimmt wieder irgendwelche Schwurbeleien mit Würmern auf den Stäbchen und so.

Sven am Megafon antwortet prompt: „Während Ihr hier sitzt und gemütlich in der Gruppe, ganz ohne Tests und Masken Euer Bier trinkt, müssen unsere Kinder mehrmals in der Woche sich Stäbchen in die Nase stecken, bis zu 8 Stunden – auch im Freien – Maske tragen. Findet Ihr das wirklich ok?

Sein Nachbar Michael fügt hinzu: „und bis heute wissen wir nicht, ob die Chemikalien auf den Teststäbchen restlos verdunsten oder unseren Kindern langfristig schaden. Sind die überhaupt zum ständigen Gebrauch geeignet? Mit uns redet keiner und unsere Fragen werden nicht beantwortet! Ist das ok?“ Die Antwort bleibt aus und das Bier wird weitergetrunken.

Eine weitere Sorge, scheint die immer wieder diskutierte Impfung für Kinder und Jugendliche zu sein. „Nach nur einem halben Jahr Beobachtungszeit kann man doch nicht wirklich eine belastbare Aussage zu Langzeitwirkungen treffen. Noch dazu wenn das Immunsystem von Kindern sich noch in der Entwicklung befindet. Sollte da was passieren, kann man auch nicht mit Geld den gesundheitlichen Schaden wieder gutmachen. Ein konventioneller Impfstoff braucht 7-10 Jahre Beobachtungszeit, um Langzeitfolgen ausschließen zu können. Das darf man nicht vergessen.“ meint Werner S., ein Apotheker aus dem Landkreis Böblingen.

Doch nicht jeder ist mit den Inhalten einverstanden. Ein Passant sagt er sei Bürgermeister ( von welcher Stadt sagt er leider nicht dazu, mir persönlich auch nicht bekannt ) und das er schon total genervt sei von diesen „blöden Demonstrationen“. Seine Kinder leiden nicht. „Das ist schön für Ihre Kinder“ meint Ilona, eine der Sprecherinnen. „aber unsere leiden schon“. Der vermeintliche Bürgermeister wendet sich an eine Jugendliche aus der Demonstrationsgruppe und meint, Sie solle nicht auf Ihre Eltern hören, Sie werde hier missbraucht. Sollte die Berufsbezeichnung des Passanten zutreffend sein, dann ist das eine bemerkenswerte Aussage in einem so respektablen politischen Amt, die tief blicken läßt. (Nachtrag: Es handelte sich tatsächlich um einen Bürgermeister. Der Name ist der Redaktion bekannt. Ein Interview mit dem Herren steht noch aus.)

Neben mir grummelt eine Frau vor sich hin. Ob Sie denn dazu etwas sagen möchte, frage ich. Martina ist etwas verhalten, wagt es dann aber dennoch. Wie die meisten meiner Interviewpartner auf diesen Veranstaltung möchte Sie nicht mit Ihrem richtigen Namen genannt werden. „Ich werde mein Kind definitiv nicht impfen lassen. Das hat einen einfachen Grund: Ich habe selbst in der Kindheit einen Impfschaden bekommen, an dem ich heute noch leide. Heutzutage werden aber kritische Meinungen mit dem Verweis auf die Pandemie einfach weggewischt und man landet in der Schwurbel – Ecke, ob man will oder nicht.“

Ansonsten bleibt der Tenor aber friedlich und reibungslos. Die Demonstranten stoßen weitestgehend auf Verständnis. „Die Maßnahmen waren selten wirklich durchdacht oder ausgewogen. Ich habe selber Kinder, das kann ich alles gut verstehen.“ meint ein Gast aus einer angrenzenden Gastronomie.

Die kleine Gruppe von nur 20 Demonstranten dreht Ihre Runde um den See und es gesellen sich spontan mehr und mehr Eltern mit Kindern hinzu. Ab und an spontaner Beifall und Solidaritätsbekundungen von Passanten. Bis zum Ende der Versammlung haben sich über 60 Menschen solidarisiert. Das Format soll sich jetzt etablieren und wird jeden Sonntag um 15.00 Uhr forgesetzt.

Eine friedliche Demo, teilweise mit kontroversen Diskussionen, aber alle Male friedlich und korrekt durchgeführt. Für Strafzettel gab es auch diesmal keinen Anlass.

Hier könnte die Reportage für heute zu Ende sein. Doch halt. Jedoch bekam ich noch weitere Informationen zugetragen, die im Zusammenhang mit dieser Demonstration zu sehen sind: Nahezu im gesamten Landkreis Böblingen gab es in 21 von 24 – also fast flächendeckend – weitere Protestaktionen. Da ich nicht persönlich anwesend sein konnte, hier nocheinpaar Impressionen aus den Nachbargemeinden, die ich freundlicher Weise hier verwenden darf:

Wie es weitergeht, berichten wir Ihnen nächste Woche. Wir bleiben für Sie am Ball bzw. am Plüschtier.

Mit diesen bunten Bildern verabschieden wir uns in den redaktionellen Feierabend.

Ein Gedanke zu „Stimmen für die Kinder

  • 14. Juni 2021 um 18:16
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    Sehr genial… Wie nach dem Motto, „wir kommen wieder und wir werden immer mehr“. Kämpft weiter für eure Kinder.

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