Montags grüßt das Murmeltier

die letzten 3 Montage liefen recht ähnlich ab: Punkt 18.00 Uhr sammelten sich ca. 600-900 Menschen an der Martinskirche, spazierten friedlich durch Sindelfingen und skandieren am Ende des Laufs „Frieden – Freiheit – Demokratie“. Argwöhnisch beobachtet von Polizei und Politik. Dabei wurde der politische Besuch immer hochranginger: Nach OB Bernd Vöhringer gibts sich nun Landrat Bernhard und Bundestagsabgeordneter Marc Biadacz die Klinke in die Hand, um dem Phänomen des Spazierengehens auf den Grund zu gehen. Man sucht sowohl nach mutmasslichen Organisatoren genauso wie nach den Beweggründen der Menschen.

Aus der Tagespresse erfährt man über die gesammelten Erkenntnisse leider wenig. – Vielleicht bekomme ich aber dafür Antworten aus dem Publikum?

Erik, ein Mid-Fünziger der seinen vollen Namen nicht nennen möchte brennt es unter den Nägeln, mir dazu seine Perspektive zu erläutern: „Wenn ich mich impfen lasse, dann aus gesundheitlichen Gründen, nicht aber weil ich sonst meine Freiheit nicht zurückzubekomme!“

Tim, 35 Jahre alt, geht es mehr um das gesellschaftliche Miteinander: „Es traut sich kaum jedand noch was gegen den Regierungskurs in der Coronapolitik zu sagen. Wer sich aus der Masse abhebt und sich kritisch äußert wird medial und gesellschaftlich geächtet. Das haben viele in den letzen 2 Jahren so erleben dürfen.Die Aufforderung der Stadtverwaltung das die Spaziergänger aus der Anonymität kommen sollen, ist aus meiner Sicht deshalb zynisch. Die Politik und die Medien sind hier gefordert dafür eine neutrale Plattform zu schaffen. In einer demokratischen Gesellschaft muss es einfach mehr vorbehaltlosen Diskurs geben. – Ohne dabei auf den anderen zu zeigen.“

Die weihnachtliche Stimmung am Wettbachplatz steht im scharfen Kontrast zum politischen Protest der Sindelfinger Spaziergänger.

Ein kleines Intermezzo am Rande: Ein maskierter Mann lässt laut Musik mit regierungskritischem Inhalt von seinem Ghettoblaster abspielen, dekoriert mit einer selbstgebastelten Warnleuchte. Den Spaziergang führe er nicht an, nur seine Frau begleitet ihn. Die Konversation mit der Polizei bleibt freundlich. Schließlich dreht er die Musik aus und alle gehen Ihrer Wege. Nach einem Jahr Spazierengehen war das bis jetzt die aufregenste Szene zwischen den Ordnungshütern und den Spaziergängern. Wenn es so bleibt, wird es wohl noch eine Weile dauern, bis man die sogenannten Radikalen unter den Spaziergängern endlich findet.

– Wenn es Sie denn wirklich gibt…

2 Gedanken zu „Montags grüßt das Murmeltier

  • 27. Februar 2022 um 16:00
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    schöner , neutraler Bericht.
    Im Gegensatz dazu die SZ/BZ mit jeder Menge Regierungspropaganga, Verdrehungen, Lücken und Verschweigen.
    Bei SZ/BZ merkt man ganz deutlich das es nicht darum geht wahrheitsgemäß zu berichten, sondern die Spaziergänge mit allen, zur Verfügung stehenden Mitteln schlecht das stehen zu lassen. Man macht das teilweise subtil und teilweise sehr plump. Man scheut auch nicht davor zurück gelegentlich falsche Spaziergänger-Zahlen zu präsentieren.

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  • 23. März 2022 um 10:58
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    Gerade rein gekommen.
    Vielleicht geht das auch für den LK BB / Stuttgart.

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